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Die Essenz des Lebens ist Bewegung und diese hat einen Rhythmus. Schon die geringste unserer körperlichen Funktionen ist rhythmisch und Teil eines größeren Zyklus. Ab dem Zeitpunkt unserer Empfängnis drückt sich dieses Prinzip in der Zellteilung, dem Strom der Flüssigkeiten sowie allen Wachstumsprozessen aus. Wir lernen sehr schnell, uns mit unserer Mutter und später mit unserer Umgebung zu synchronisieren. Dies befähigt uns, zyklisch zu hören und uns an zyklische Funktionen anzupassen. Wir alle besitzen also eine angeborene, natürliche Fähigkeit wahrzunehmen, uns zu synchronisieren und uns rhythmisch auszudrücken.
Präsenz, Körperbewusstsein und Gehör sind unerlässliche Faktoren für spontane Musik. Zentriertheit, Präsenz und auf unseren Körper zu hören ermöglichen uns, Emotionen auf einem Instrument frei zum Ausdruck zu bringen. Durch diese Bereitschaft können Bewegungsmuster und bekannte sowie unbekannte musikalische Emotionen entstehen, die – auf neue Weise zusammengefügt – den Musiker zu einem erstaunten Beobachter des Werkes werden lassen, das durch ihn fließt.
Dieses Werk ist nicht sein eigenes, denn es entsteht aus der Atmosphäre, die von den anwesenden Personen geschaffen wurde und es nimmt Form an durch ein musikalisches Gefühl, das der Musiker auf seinem Instrument zum Ausdruck bringt.
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Dies geschieht nicht nur durch die Wahl und das Zusammenspiel verschiedener Noten und Leerräume, sondern auch durch die Intensität und die Absicht, die in der Berührung des Instrumentes liegen. Wobei das Wichtigste die Unmittelbarkeit dieser Emotion ist, die durch das Instrument und die Klänge aber auch unmittelbar durch den Körper des Musikers und dessen Zuhörern zum Ausdruck kommt.
Die Schwierigkeiten, die bei der spontanen Kreation auftauchen, sind dieselben, denen wir auch im Alltag begegnen:
• Die Vergeudung der schöpferischen Energie an eine Flut von Gedanken jeder Art, durch die wir den Kontakt zu unserem Körper, unseren Emotionen und unserer Umgebung verlieren.
• Dem Bedürfnis nachzugeben, bekannte Elemente zu reproduzieren in dem Versuch, dadurch unsere Angst vor dem Unbekannten zu beruhigen.
• Das Bedürfnis, mit dem Willen und dem Verstand zu kontrollieren und zu entscheiden, was angemessen, notwendig, angenehm und ästhetisch ist.
Wenn diese Schwierigkeiten überhand nehmen, hindern sie unser Wesen daran, unseren natürlichen Sinn für Harmonie zum Ausdruck zu bringen. Sie lassen uns den Faden der musikalischen Emotionen verlieren, schaffen einen zaudernden Rhythmus und unharmonische Noten. |
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In solch einem Moment ist es am besten, die andere Person zu spüren, um deren Kreation aufzunehmen und den Variationen und Spielen zu folgen, die er/sie sie initiiert.
Dies ist möglich, wenn man körperlich verbunden ist und dadurch intuitiv die subtilen Veränderungen von Intensität und Emotion unmittelbar von Körper zu Körper erfassen kann. So kann ein Raum für eine gemeinsame „Stimmung“ und „Energie“ des schöpferischen Wirkens und Entwickelns entstehen. Dadurch wird verhindert, dass man ausschließlich auf die vom Instrument erzeugten Klängen lauscht, und eine entsprechende klangliche Antwort produziert.
Jeder Musiker hat ein Gefühl für seinen Platz, sodass ein musikalische Bild entsteht, er wird auf ganz natürliche Weise wissen, wann er sich an der grundlegenden Farbgebung beteiligt, wann er sich in der Rolle des Begleiters einbringt, und zu welchem Zeitpunkt er als Solist im Vordergrund Variationen kreiert.
Die Momente der Stille sind ebenso, wenn nicht wichtiger als die Noten. Denn die beiden Gegenspieler erschaffen sich gegenseitig, enthüllen einander und kontrastieren miteinander
. Ein stiller Beginn wird die Klangfarben des Stückes zur Geltung bringen, das seine Apotheose/seinen Höhepunkt in einer vibrierenden und erfüllten Stille des Endes erreicht.
Severin Berz |
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